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Polizeiliche Todesschüsse

Seit der Wiedervereinigung wurden mindestens 368 Personen durch Kugeln der deutschen Polizei getötet.

Wir zählen von 1976 bis 1990 außerdem 153 tödliche Schüsse allein in Westdeutschland.
Jedes Jahr veröffentlicht die Konferenz der Innenminister*innen der Bundesländer eine neue Statistik zum polizeilichen Schusswaffengebrauch des Vorjahres. Neben Warnschüssen oder Schüssen auf Tiere und Sachen werden auch Polizeikugeln auf Personen und daraus resultierende Todesfälle gezählt.
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Die ab 1984 von den Behörden geführte Aufstellung ist jedoch anonym, es wird nicht auf die einzelnen Taten eingegangen. Die Statistik gibt auch keine Auskunft über die Opfer. Seit 1976 dokumentiert die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP deshalb die Hintergründe zu den durch die Polizei verursachten Todesfällen. Dabei sammeln wir Informationen zur Beteiligung von Sondereinheiten, der Zahl jeweils abgegebener Schüsse und der Situation, in der sich die Schussabgabe zutrug.
So ist etwa von Bedeutung, ob die Getöteten selbst bewaffnet waren, sich womöglich in einer psychischen Ausnahmesituation befanden oder, wie es häufig geschieht, in ihrer eigenen Wohnung erschossen wurden.

Chronik

zeige 29 von 521 polizeilichen Todesschüsse
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an 25 von 291 Orten
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Verletzte/getötete Beamte
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Innenraum
N.N.
21 Jahre, männlich
Erschossen am 28.02.2019
In Würzburg, Bayern
Mit einem Schuss
Bewaffnet mit Schusswaffe
Quellen: [1]
Als zwei Auszubildende der Bereitschaftspolizei sich in ihrer Unterkunft in der Mainau-Kaserne auf ihren Dienst vorbereiten, löst sich aus einer falsch entladenen Waffe ein Schuss und trifft den Mit-Auszubildenden in den Kopf. Dieser wird schwer verletzt und stirbt kurz da­rauf im Krankenhaus. Im November erhebt die Staatsanwaltschaft gegen den Schützen Anklage wegen fahrlässiger Tötung.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
27 Jahre, männlich
Erschossen am 26.06.2007
In Hamburg
Mit einem Schuss
Quellen: [1]
Nach einer längeren Observation stoppen sieben Zivilbeamte ein Fahrzeug mutmaßlicher Bankbetrüger. EineR der Polizist*innen tritt mit gezogener Schusswaffe von hinten an das Fahrzeug heran, dabei löst sich ein Schuss und trifft den Fahrer in den Rücken. Er stirbt noch vor Ort.
SEK-Beteiligung
Verletzte/getötete Beamte
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
32 Jahre, männlich
Erschossen am 03.02.2004
In Köln, Nordrhein-Westfalen
Mit einem Schuss
Bewaffnet mit Schusswaffe
Quellen: auf Anfrage
Bei einer Übung auf einem Kölner Polizeigelände wollen drei Beamte des Sondereinsatzkom­man­dos die Überwältigung von Straftätern trainieren. Dabei löst sich ein Schuss aus der Waffe eines Beamten. Sein getroffener Kollege stirbt kurz darauf im Krankenhaus.
Mutm. Alkohol- o. Drogenkonsum
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
36 Jahre, männlich
Erschossen am 14.07.2002
In Hamburg
Quellen: [1]
Ein betrunkener Autofahrer durchbricht eine Polizeikontrollstelle und flüchtet. Als er kurz darauf gegen eine Hauswand fährt, flüchtet er zu Fuß weiter. Mit gezogenen Waffen stellen ihn die verfolgenden Beamt*innen auf einem Parkhausdach. Nach Polizeiangaben löst sich dabei ein „unbeabsichtigter“ Schuss. Der Mann stürzt 10 Meter in die Tiefe und stirbt kurz darauf.
SEK-Beteiligung
Mutm. famil. oder häusl. Gewalt
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Innenraum
N.N.
22 Jahre, männlich
Erschossen am 28.05.2002
In Wiesbaden, Hessen
Bewaffnet mit Schusswaffe
Quellen: [1]
Nach einem Beziehungsstreit nimmt ein junger Mann in einer Arztpraxis seine Freundin als Geisel, während weitere Anwesende fliehen können. Als dreistündige Verhandlungen keinen Erfolg bringen und der Mann mehrfach mit einem Blutbad droht, schießt ihm ein Beamter gezielt in die Seite. Die Kugel dringt durch den Arm bis in die Hüfte und verletzt ihn lebensgefährlich. Eine Woche später stirbt der Mann im Krankenhaus.
Verletzte/getötete Beamte
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
40 Jahre, männlich
Erschossen am 05.08.2001
In Gruibingen, Baden-Württemberg
Mit einem Schuss
Bewaffnet mit Schusswaffe
Quellen: auf Anfrage
Nach einem nächtlichen Einbruchalarm durchsuchen zwei Polizeibeamt*innen eine Möbelfabrik, sie finden jedoch nichts. Beim Verlassen des Gebäudes löst sich aus der Maschinenpistole eines Beamt*innen ein „unbeabsichtigter“ Schuss und trifft seinen Kollegen ins linke Schulterblatt und tödlich in die Lunge. Der Mann verblutet.
SEK-Beteiligung
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Innenraum
N.N.
45 Jahre, männlich
Erschossen am 13.12.1999
In Siegen, Nordrhein-Westfalen
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Nach einer Schießerei vor einer Diskothek stürmen mehrere SEK-Beamte die Wohnung eines Verdächtigen. In einem Handgemenge mit dessen Vater löst sich laut Aussagen des Beamten ein Schuss aus seiner Dienstwaffe. Das Projektil trifft den Mann in den Kopf.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
23 Jahre, männlich
Erschossen am 08.02.1997
In Fürstenwalde, Brandenburg
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Nach einem anomynen Anruf, der einen Einbruch und "drei möglicherweise bewaffnete Rumänen" meldet, fahren sechs Beamt*innen zum Tatort. Als sie erscheinen, flüchten die Männer. Bei der Verfolgung löst sich aus der Waffe eines Beamten ein Schuß und trifft einen von ihnen tödlich am Kopf. Bei der Vernehmung gab er an, er habe die Waffe zur Eigensicherung in der Hand gehalten, als sich der Schuss löste.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Bahri Yaradan
25 Jahre, männlich
Erschossen am 14.11.1996
In Fürth, Bayern
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Nach einer Verfolgungsfahrt stellen zwei Polizist*innen einen Autofahrer. Bei der Festnahme „löst sich ein Schuß“ und trifft den Mann in den Kopf.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
18 Jahre, männlich
Erschossen am 27.07.1996
In Münster, Nordrhein-Westfalen
Quellen: auf Anfrage
Nach einer Verfolgungsjagd stoppt die Polizei einen jugendlichen Autodieb. Bei der Festnahme wird er aus zunächst ungeklärten Gründen erschossen. Die Polizei setzt zur Klärung des Falles eine Sonderkommission ein. Ergebnis: unbeabsichtigte Schußabgabe.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
36 Jahre, männlich
Erschossen am 12.09.1995
In Artern, Thüringen
Quellen: auf Anfrage
Polizeibeamte stellen mehrere Männer, als diese gerade in einen Supermarkt einbrechen wollen. Bei der Festnahme löst sich bei einem der Beamten „versehentlich“ ein Schuss und trifft einen der Männer tödlich.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Sebastian D.
19 Jahre, männlich
Erschossen am 16.06.1994
In Kyritz, Brandenburg
Quellen: auf Anfrage
In der Nacht wurden sieben Personen aus Rumänien nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei gestellt. Während sechs Verdächtige festgenommen werden konnten, versuchte der siebte zu Fuß zu entkommen. Ein 35-jähriger Polizist schoss von hinten auf den Flüchtenden und traf ihn am Kopf. Er erlag seinen Verletzungen kurz darauf in der Landesklink Frankfurt (Oder). Die sechs Festgenommenen standen im Verdacht, an etwa 500 bandenmäßig organisierten Einbruchdiebstählen beteiligt gewesen zu sein. Nach Angaben der Polizei wurde bei anschließenden Durchsuchungen umfangreiches Diebesgut sichergestellt. Der Schütze gab an, er habe dem Flüchtenden während der Verfolgung mit der rechten Hand, in der er seine entsicherte und durchgeladene Dienstpistole hielt, einen Schlag ins Genick versetzt. Dabei habe sich ein Schuss aus der Waffe gelöst. Kurz zuvor hatte der Beamte im Rahmen der Verfolgungsjagd einen Warnschuss abgegeben.
Mutm. Alkohol- o. Drogenkonsum
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
38 Jahre, männlich
Erschossen am 31.05.1993
In Klausdorf, Mecklenburg-Vorpommern
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Ein Beamter gibt bei der Verfolgung eines offenbar alkoholisierten Tatverdächtigen einen „nicht beabsichtigten“ Schuss ab, der den Mann tödlich trifft.
SEK-Beteiligung
Verletzte/getötete Beamte
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Innenraum
N.N.
32 Jahre, männlich
Erschossen am 20.04.1993
In Mannheim, Baden-Württemberg
Mit einem Schuss
Bewaffnet mit Schusswaffe
Quellen: auf Anfrage
Der Polizist wurde beim Einsatz gegen mutmaßliche ausländische Waffenhändler unbeabsichtigt durch einen Schuss aus der Waffe eines Kollegen getötet. Die Beamten der Schutz- und Kriminalpolizei sowie des Sondereinsatzkommandos Baden-Württemberg hatten mehrere Wohnungen in Mannheim durchsucht, als es zu einem Handgemenge mit zwei Verdächtigen kam, die angeblich erheblichen Widerstand leisteten. Bei diesem Handgemenge löste sich vermutlich ein Schuss aus einer Dienstpistole. Das Projektil durchschlug zunächst den Oberarm eines mutmaßlichen Täters und drang dann durch die Ärmelöffnung der Schutzweste des Polizisten in seinen Oberkörper ein. Der Polizist starb noch am Einsatzort. Sein Kollege, aus dessen Waffe sich der Schuss gelöst hatte, erlitt einen Schock. Der getötete Polizist war nicht unbekannt; er hatte bereits eine Liste von Vorstrafen in seiner Akte.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Martin Peischel
22 Jahre, männlich
Erschossen am 10.02.1993
In Wolfratshausen, Bayern
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Ein Beamter hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Scheibe auf der Fahrerseite des anfahrenden Wagens eingeschlagen, um die Flucht des 22-jährigen Schlossers Martin Peischel und seines Bruders Horst zu verhindern. Dabei habe sich aus der Dienstwaffe des Beamten, einer Heckler & Koch, der Schuss gelöst, der den jungen Mann tötete. Gegen zwei Uhr sei nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Hubert Vollmann einer Polizeistreife ein "zu laut fahrendes" Auto ohne Kennzeichen im Wörthshausener Industriegebiet aufgefallen. Die Beamten verfolgten das Fahrzeug. Nach etwa einem Kilometer hielt der Fahrer an einer Tankstelle und stieg aus dem Auto aus. Als er die Polizei bemerkte, stieg er wieder ein und wollte wegfahren, doch der Wagen kam "ins Stottern". Der Beifahrer des Polizeiwagens lief neben dem Fahrzeug her und schlug nach bisherigen Ermittlungen mit seiner Dienstwaffe die Scheibe ein. Dabei soll sich der Schuss gelöst haben. Der 25-jährige Bruder des Getöteten gab einen teilweise widersprechenden Bericht ab. Laut ihm hatten sich die beiden Brüder gegen zwei Uhr nachts mit ihrem Ford Fiesta auf den Weg zu einer Selbstbedienungstankstelle gemacht. Sie seien deshalb so spät unterwegs gewesen, weil das Auto nicht angemeldet war. "Wir wollten aber in den nächsten Tagen zum TÜV, weil ja alles schon geschweißt und repariert war", berichtet Horst. Das abmontierte Nummernschild hatten sie angeblich ins Heck des Fahrzeugs gelegt. Als die Peischel-Brüder mit ihrem Auto vor der Tankstelle vorfuhren und Martin ausstieg, um Benzin zu zapfen, sei plötzlich der Polizist dagewesen. "Der Martin ist gleich wieder ins Auto gesprungen und wir sind abgehauen", berichtet Horst, der im Wagen geblieben war. Alles sei furchtbar schnell gegangen, und er habe keinen Wortwechsel zwischen seinem Bruder und dem Polizisten gehört. Sekunden später habe es gekracht. Dass sein Bruder von einem Schuss getroffen worden war, sei ihm in diesem Moment noch nicht bewusst geworden. Die Polizei habe Horst aus dem Auto gezerrt und mit drei Fußtritten auf eine Wiese gestoßen. Anschließend hätten sie den Toten auf die Fahrbahn gelegt. Horst musste zur Polizeidienststelle mitfahren und wurde dort bis zum Mittwochmorgen festgehalten. Es ist nicht der erste Fall, in dem eine Pistole dieser Marke losging, ohne dass es der Beamte wollte. Als Bayern sich Ende der 70er Jahre entschloss, für seine Polizei eine neue Dienstwaffe anzuschaffen, veröffentlichte die Fachzeitschrift „Kriminalist“ einen Vergleichstest zwischen drei in Frage kommenden Selbstladepistolen. Die Heckler & Koch P7 verfügt über eine neuartige Konstruktion der Sicherung, die sich an der Vorderseite des Griffes befindet. Drückt der Schütze diesen „Griffspanner“, ist die Waffe in hochempfindlicher Abzugstellung entsichert. Ein leichter Druck auf den Abzug genügt, und es kracht. Bei schnellem Ziehen unter akutem Zeitdruck und ungünstigen Umständen neigen die Finger einer vorstoßenden Hand zu synchronen Bewegungen und gleichmäßiger Zugkraft. Der Zeigefinger krümmt sich, und die Pistole geht los. Schießtests ergaben, dass diese Konstruktion zu ungewollten Schüssen führen kann.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
Peter Sund
24 Jahre, männlich
Erschossen am 19.01.1992
In Bernburg, Sachsen-Anhalt
Quellen: auf Anfrage
Die Polizei wird über einen Einbruch in eine Verkaufsstelle informiert, nachdem zwei Beamt*innen sich den Schlüssel des Ladens besorgt hatten, gehen sie mit gezogenen Waffen in das Geschäft. Dort beschimpft sie das spätere Opfer angeblich. Als die Beamt*innen ihn stellen, steckt einer der Beamten seine Waffe zurück ins Holster, während der die gezogene Waffe in der Hand behielt. Bei der anschließenden Festnahme tritt der Mann angeblich wild um sich und bringt dabei den sichernden Beamten aus dem Gleichgewicht; als dieser strauchelt, löst sich aus seiner Makarov-Pistole ein Schuß und trifft den Täter in den Kopf. Am 23.11.93 wird der Beamte vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen; die Staatsanwaltschaft legt Berufung ein.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
25 Jahre, männlich
Erschossen am 21.06.1991
In Leipzig, Sachsen
Mit einem Schuss
Bewaffnet mit Schlagwaffe
Quellen: auf Anfrage
Wie Staatsanwalt Reinbacher mitteilte, hatten Beamte das Auto des jungen Mannes am vergangenen Freitag angehalten, da aus dem Fahrzeug am Vortag Schlagwerkzeuge an Skinheads für einen Angriff auf ausländische Glücksspieler verteilt worden sein sollen. Der Pressesprecher der Leipziger Kriminalpolizei, Gaasenbeek, erklärte, dass sich bei der Festnahme der drei Autoinsassen "offensichtlich ungewollt" ein Schuss gelöst habe. Der Mann auf dem Beifahrersitz wurde schwer verletzt und verstarb später im Krankenhaus. Laut Staatsanwalt wurden bei dem Angriff der Skinheads auf die Glücksspieler am vergangenen Donnerstag vier Menschen verletzt. Als die Polizei von einem geplanten weiteren Überfall erfuhr, stoppte sie das verdächtige Fahrzeug. Bei der Durchsuchung des Autos wurden Eisenstangen, Stuhlbeine, ein Baseballschläger sowie verschiedene Autokennzeichen sichergestellt.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
17 Jahre, männlich
Erschossen am 09.09.1989
In Würzburg, Bayern
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Der Jugendliche und sein 18-jähriger Komplize wurden nach Angaben der Behörden von einer Zivilstreife der Polizei beobachtet, wie sie ein Fahrzeug aufbrachen und einstiegen. Ein 38-jähriger Kriminaloberkommissar öffnete daraufhin die Beifahrertür des gestohlenen Fahrzeugs und forderte die Insassen auf, sich ruhig zu verhalten. Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Elmar Fischer hatte der Beamte aus Gründen der Eigensicherung seine Dienstwaffe gezogen. Der 17-Jährige, der auf dem Beifahrersitz saß, begann jedoch plötzlich, „wie wild mit den Armen herumzufuchteln“, wie sein Begleiter später aussagte. In diesem Moment löste sich ein Schuss aus der Waffe des Beamten. Die Kugel traf den 17-Jährigen tödlich am Kopf. Er verstarb noch während des Transports in ein Krankenhaus in Würzburg. Ein vorbeifahrender Autofahrer blieb unverletzt, dessen Fahrzeug ebenfalls von der Kugel getroffen wurde. Beide mutmaßlichen Autodiebe waren laut Polizei mit einer Art Springmesser bewaffnet.
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
25 Jahre, männlich
Erschossen am 23.12.1988
In Wiesbaden, Hessen
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Ein Hafturlauber, der nicht in die Haft zurückgekehrt ist, versucht sich dem Zugriff durch zwei Polizist*innen zu entziehen und schlägt eineN der Beamt*innen nieder. Bei einem „Gerangel“ löst sich der tödliche Schuss.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. Alkohol- o. Drogenkonsum
Unbeabsichtigte Schussabgabe
N.N.
25 Jahre, männlich
Erschossen am 06.04.1985
In Sudheim, Niedersachsen
Mit einem Schuss
Quellen: auf Anfrage
Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres hat die Polizei in Südniedersachsen einen flüchtigen Autofahrer erschossen. Nach Angaben der Göttinger Staatsanwaltschaft wurde die Polizei am Karfreitagmorgen alarmiert, da der Fahrer offenbar angetrunken war. Während der Verfolgung wurden drei Straßensperren errichtet, die der Mann jedoch durchbrach. Nach rund 40 Kilometern wurde der Flüchtende schließlich in der Ortschaft Sudheim gestellt. Ein junger Polizist aus Göttingen öffnete mit schussbereiter Pistole die Beifahrertür des Fahrzeugs. Dabei löste sich angeblich "versehentlich" ein Schuss, der den 25-Jährigen direkt ins Gesicht traf, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Bereits im letzten Oktober hatte die Polizei einen 16-jährigen Autodieb erschossen, der aus einer offenen Jugendstrafanstalt entwichen war. Der Göttinger Polizeibeamte wurde vom Amtsgericht Northeim ein Jahr später wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 2750 DM (50 Tagessätze à 55 DM) verurteilt. Das Gericht stellte fest, dass das Vorgehen des 23-jährigen Polizisten auf Probe „eindeutig falsch“ war. Der Einsatz einer gezogenen Pistole sei in dieser Situation nicht angemessen gewesen. Besonders betont wurde die Gefährlichkeit der verwendeten Dienstwaffe („P7“), die bereits durch kräftiges Anpacken der Griffschalen entsichert werden könne. Die Richter wiesen darauf hin, dass auch Personen, die sich rechtswidrig verhalten, darauf vertrauen dürfen, von der Polizei ohne Gefahr für ihr Leben gestoppt zu werden. Die relativ milde Strafe wurde mit dem „nur äußerst leichten Verschulden“ des Beamten begründet. Das Gericht erkannte an, dass der junge Polizist in der hektischen und gefährlichen Lage überfordert gewesen sein könnte. Die Staatsanwaltschaft hatte eine höhere Geldstrafe von 3850 DM gefordert.
Die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP liefert seit 1978 kritische Analysen zur Politik und Praxis Innerer Sicherheit in Deutschland und Europa.
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