Nominiert Grimme Online Award 2025
Cover image

Polizeiliche Todesschüsse

Seit der Wiedervereinigung wurden mindestens 379 Personen durch Kugeln der deutschen Polizei getötet.

Wir zählen von 1976 bis 1990 außerdem 153 tödliche Schüsse allein in Westdeutschland.

Jedes Jahr veröffentlicht die Konferenz der Innenminister*innen der Bundesländer eine neue Statistik zum polizeilichen Schusswaffengebrauch des Vorjahres. Neben Warnschüssen oder Schüssen auf Tiere und Sachen werden auch Polizeikugeln auf Personen und daraus resultierende Todesfälle gezählt.

CILIP

Die ab 1984 von den Behörden geführte Aufstellung ist jedoch anonym, es wird nicht auf die einzelnen Taten eingegangen. Die Statistik gibt auch keine Auskunft über die Opfer. Seit 1976 dokumentiert die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP deshalb die Hintergründe zu den durch die Polizei verursachten Todesfällen. Dabei sammeln wir Informationen zur Beteiligung von Sondereinheiten, der Zahl jeweils abgegebener Schüsse und der Situation, in der sich die Schussabgabe zutrug.

So ist etwa von Bedeutung, ob die Getöteten selbst bewaffnet waren, sich womöglich in einer psychischen Ausnahmesituation befanden oder, wie es häufig geschieht, in ihrer eigenen Wohnung erschossen wurden.

Chronik

zeige 4 von 532 polizeilichen Todesschüssen
SchusswechselSEK-BeteiligungMutm. psych. AusnahmesituationMutm. famil. oder häusl. Gewalt

Serhat B.

32 Jahre, männlich

Erschossen am 11.10.2024

In Bochum, Nordrhein-Westfalen

Bewaffnet mit Hiebwaffe

Quellen: presseportal.de, waz.de, wdr.de, bild.de

→ Detailseite

Der Mann soll die nach einem Notruf eintreffenden Beamt*innen mit einem Hammer angegriffen haben. Daraufhin zogen diese ihre Dienstwaffen, schossen aber nicht. Da nach Darstellung der Polizei nicht auszuschließen gewesen sei, dass der Mann weitere Waffen hatte, seien Spezialeinsatzkräfte hinzugezogen worden. Diese gaben die tödlichen Schüsse bei der Stürmung der Wohnung ab, nachdem sich der Mann dort verbarrikadierte. Nach ersten Erkenntnissen soll er an Schizophrenie erkrankt gewesen sein.

SchusswechselSEK-Beteiligung

Eura I.

18 Jahre, männlich

Erschossen am 05.09.2024

In München, Bayern

Bewaffnet mit Schusswaffe

Quellen: br.de, polizei.bayern.de, tagesschau.de, justiz.gv.at

→ Detailseite

Vor dem NS-Dokumentationszentrum und dem israelischen Generalkonsulat schoss der Mann am Jahrestag des Olympia-Anschlages von 1972 mit einer Repetierwaffe älteren Baujahrs auf einen Posten des polizeilichen Objektschutzes. Insgesamt fünf Beamt*innen machten daraufhin von ihren Dienstwaffen Gebrauch, Augenzeug*innen sprechen von Dutzenden Schüssen. Der 18-jährige Angreifer wurde tödlich getroffen. Nach dem Notruf waren auch Spezialeinsatzkräfte zum Tatort geschickt worden. Dem Mann wird "eine Nähe zu islamistisch-terroristischem Gedankengut" attestiert. Es habe auch Verdacht bestanden, er verbreite Propaganda für ein terroristisches islamistisches Bündnis in Syrien. Ermittlungen dazu waren aber eingestellt worden.

SEK-BeteiligungMutm. psych. AusnahmesituationInnenraum

N.N.

46 Jahre, männlich

Erschossen am 31.08.2024

In Berlin

Bewaffnet mit Schusswaffe

Quellen: berlin.de, rbb24.de, archive.ph, rbb24.de, pardok.parlament-berlin.de

→ Detailseite

Laut Polizei soll der Mann auf einem Wohnwagenplatz einen 49-Jährigen mit einer Schusswaffe bedroht haben - eine erlaubnisfreie Druckluftpistole, wie sich später herausstellte. Dieser blieb unverletzt und alarmierte die Polizei, nachdem es ihm gelungen war, den Angreifer zu vertreiben, so die Darstellung. Einem Springer-Medium zufolge habe der 46-Jährige zuvor auch mehrere Sinti*zze und Rom*nja auf dem Gelände des Trailerparks rassistisch bedroht. Spezialkräfte der Polizei hätten den mutmaßlichen Täter in einem Mehrfamilienhaus lokalisiert, in dem sich offenbar viele Sozialwohnungen befinden. Als das SEK die Wohnung betrat, soll der Mann sofort das Feuer eröffnet haben. Die Polizisten schossen daraufhin 19 Schüsse ab. Laut RBB sei der Mann zuvor wegen psychischer Probleme betreut worden. Das Ermittlungsverfahren gegen den Schützen wurde gemäß § 170 Abs. 2 Strafprozessordnung eingestellt.

SchusswechselSEK-BeteiligungMutm. psych. AusnahmesituationMutm. famil. oder häusl. Gewalt

N.N.

51 Jahre, männlich

Erschossen am 14.06.2024

In Hamburg

Bewaffnet mit Schusswaffe

Quellen: ndr.de

→ Detailseite

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) erschoss den Mann, der nach Angaben der Polizei das Feuer auf die Beamt*innen eröffnet hatte. Er soll zuvor versucht haben, seinen Vater anzuzünden. Deshalb war die Polizei von Bewohner*innen eines Mehrfamilienhauses alarmiert worden. Das SEK wurde schließlich zur Verstärkung gerufen. Laut Polizei könnte sich der 51-Jährige in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben.

Die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP liefert seit 1978 kritische Analysen zur Politik und Praxis Innerer Sicherheit in Deutschland und Europa.
Jetzt ein Abo abschließen!

Alle Daten auf dieser Webseite sind unter der CC BY 4.0 Lizenz veröffentlicht. Veröffentlichungen müssen als Quelle "Bürgerrechte & Polizei/CILIP" angeben und auf polizeischuesse.cilip.de verlinken.