Polizeiliche Todesschüsse

Seit der Wiedervereinigung wurden mindestens 333 Personen durch Kugeln der deutschen Polizei getötet.

Wir zählen von 1976 bis 1990 außerdem 153 tödliche Schüsse allein in Westdeutschland.
Jedes Jahr veröffentlicht die Konferenz der Innenminister*innen der Bundesländer eine neue Statistik zum polizeilichen Schusswaffengebrauch des Vorjahres. Neben Warnschüssen oder Schüssen auf Tiere und Sachen werden auch Polizeikugeln auf Personen und daraus resultierende Todesfälle gezählt.
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Die ab 1984 von den Behörden geführte Aufstellung ist jedoch anonym, es wird nicht auf die einzelnen Taten eingegangen. Die Statistik gibt auch keine Auskunft über die Opfer. Seit 1976 dokumentiert die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP deshalb die Hintergründe zu den durch die Polizei verursachten Todesfällen. Dabei sammeln wir Informationen zur Beteiligung von Sondereinheiten, der Zahl jeweils abgegebener Schüsse und der Situation, in der sich die Schussabgabe zutrug.
So ist etwa von Bedeutung, ob die Getöteten selbst bewaffnet waren, sich womöglich in einer psychischen Ausnahmesituation befanden oder, wie es häufig geschieht, in ihrer eigenen Wohnung erschossen wurden.
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Chronik

zeige 94 von 486 polizeilichen Todesschüsse
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an 76 von 281 Orten
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Verletzte/getötete Beamte
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. famil. oder häusl. Gewalt
Lamin Touray
46 Jahre, männlich
Erschossen am 30.03.2024
In Nienburg , Niedersachsen
Mit 8 Schüssen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Laut einer Polizeisprecherin habe es eine "Bedrohungslage" gegeben, da der Mann aus Gambia seine Freundin mit einem Messer bedroht habe, diese habe fliehen können und die Polizei alarmiert. Jedoch widersprechen die Frau und ein Freund dieser Darstellung Tage später. Die Freundin sagt aus, einen Rettungswagen wegen der psychischen Probleme des Mannes gerufen zu haben. Den stattdessen eingetroffenen Beamt*innen habe sie angeboten, das spätere Opfer zu beruhigen. Der Mann habe nicht auf Aufforderungen der Beamt*innen reagiert, heißt es von der Polizei, und den von der Leine gelassenen Polizeidiensthund mit einem Messer schwer verletzt. Schließlich habe er auch die Polizist*innen mit dem Messer angegriffen. Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigt, dass die Polizei zunächst zwei Schüsse, anschließend eine Salve aus weiteren fünf und dann einen achten Schuss abgaben. Alle Projektile trafen den Mann, bestätigte die Staatsanwaltschaft Verden nach der Obduktion, davon seien zwei sogenannte "Wirkungstreffer" gewesen. Unter anderem seien die Leber und das Herz verletzt worden, der Mann sei deshalb sofort gestorben. Eine Polizistin soll außerdem durch einen Schuss am Bein verletzt worden sein. Später hieß es seitens der Polizei, ein Polizist habe Messerangriffe des Mannes mit einem Schild abgewehrt, so zeigten es Aufnahmen einer Bodycam. In einem üblichen Todesermittlungsverfahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 14 beteiligte Polizeikräfte wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Auch ein Nachbar sagte später über den getöteten Mann, dieser habe auf ihn "einen verwirrten Eindruck" gemacht. Im Nachgang wurde bekannt, dass der 46-Jährige zwei Tage zuvor wegen Fahrens ohne Fahrschein von Bundespolizisten auf die Wache am Bahnhof Harburg gebracht worden war. Dort soll der Mann die Beamten mit einem versteckt getragenen Messer attackiert und "Allahu Akbar" gerufen haben. Drei Bundespolizisten sollen dabei verletzt worden sein.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
N.N.
40 Jahre, männlich
Erschossen am 30.01.2024
In Frankfurt am Main, Hessen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1][2]
Drei Polizisten haben auf den Frankfurter mit argentinisch-spanischer Staatsangehörigkeit geschossen, der Berichten zufolge zuvor – offenbar wahllos – zwei Frauen im Stadtteil Sachsenhausen mit einem Messer angegriffen hatte. Eine der Frauen wurde dabei im Gesicht und am Hals verletzt. Als die alarmierten Einsatzkräfte am Tatort eintrafen, sei die Situation eskaliert. Der Mann hatte in einer Einrichtung für Personen mit psychischen Beeinträchtigungen gelebt. Womöglich durch einen Querschläger wurde außerdem ein 21 Jahre alter Mann verletzt. Zeugen hatten zunächst von vier abgegebenen Schüssen gesprochen, es sollen jedoch weitaus mehr sein.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Ertekin Özkan
49 Jahre, männlich
Erschossen am 23.12.2023
In Mannheim, Baden-Württemberg
Mit 4 Schüssen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Der Mann soll den Notruf gewählt und angegeben haben, eine Straftat begangen zu haben, offenbar hatte er sich mit einem Messer selbst verletzt. Eine daraufhin eingetroffene Streife mit drei Beamten sei von dem 49-Jährigen auf der Straße mit dem Messer bedroht worden. "Im Verlauf des Einsatzgeschehens machten die Einsatzkräfte von ihrer Schusswaffe Gebrauch", schreiben Staatsanwaltschaft und Polizei. Der Mann wurde von vier Schüssen getroffen. Berichten zufolge hat die Polizei den Sterbenden anschließend umgedreht und ihm Handschellen angelegt. Erst danach hätten die Beamten Reanimationsmaßnahmen durchgeführt, der Verletzte starb schließlich im Krankenhaus. Ein in Sozialen Medien kursierendes Video zeigt den Mann mit nacktem Oberkörper vor drei Polizeibeamten. Diese fordern ihn auf, sein Messer wegzulegen. Als er daraufhin langsam auf die Beamten zugeht, fallen vier Schüsse. Laut BILD-Zeitung habe der Tote einen "türkischen Migrationshintergrund". Die 18-jährige Tochter des verstorbenen Mannes erklärte dem SWR, ihr Vater habe schon immer psychische Probleme gehabt, dies sei auch der Polizei bekannt gewesen. Ihr zufolge hätte er "niemandem etwas angetan". Die Angehörigen sollen die Polizei bei dem Einsatz angefleht haben, dass die Mutter und auch die Schwester den Mann während seiner Ausnahmesituation beruhigen wollten, auch ein Onkel wurde dazu herbeigerufen. Die Polizei habe dies verhindert.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
N.N.
30 Jahre, männlich
Erschossen am 11.10.2023
In Delbrück, Nordrhein-Westfalen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1]
Laut einer Pressemitteilung der Polizei Bielefeld und der Staatsanwaltschaft Paderborn soll der Mann einen 27-jährigen Polizeibeamten mit einem "längeren Küchenmesser" angegriffen haben. Dieser schoss ihm daraufhin in den Kopf. Der Erschossene soll sich in einem „psychischen Ausnahmezustand“ befunden haben, so die Polizei, deshalb habe der Beamte aus Notwehr gehandelt. Der Mann sei mit Suizidabsichten als vermisst gemeldet gewesen und auch unter Einsatz eines Hubschraubers gesucht worden. Nach Hinweisen zu dem Aufenthaltsort des Gesuchten seien die Polizist*innen ohne psychologische Unterstützung dorthin gefahren. Eine solche Expert*in hätte „auf die Schnelle“ nicht zum Einsatzort beordert werden können, sagte eine Sprecherin später. Ersten Angaben nach waren die Bodycams der Polizisten nicht eingeschaltet.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Innenraum
Rainer M.
56 Jahre, männlich
Erschossen am 18.08.2023
In Duisburg, Nordrhein-Westfalen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1]
Der Mann sollte am frühen Nachmittag von Rettungssanitätern in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden, habe sich aber "vehment" gewehrt. Daraufhin hätten die Sanitäter die Polizei gerufen. Das spätere Opfer soll die Einsatzkräfte im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Neuenkamp mit einem Messer attackiert haben. Diese hätten zuvor einen Taser gegen den Mann eingesetzt, erklärte der NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) außerplanmäßig dem Innenausschuss des Landtags in Düsseldorf. Die WAZ zitiert eine Frau, die drei Schüsse gehört haben will. Rettungssanitäter sollen auf der Straße erfolglos versucht haben, den Mann zu reanimieren.
SEK-Beteiligung
Mutm. psych. Ausnahmesituation
N.N.
35 Jahre, männlich
Erschossen am 06.06.2023
In Ingolstadt, Bayern
Quellen: [1][2][3][4]
Gegen 10.15 Uhr sei der Einsatzzentrale mitgeteilt worden, dass sich eine Person im Osten der Stadt in einer psychischen Ausnahmesituation befinden soll. Der von den Beamt*innen unbekleidet auf Bahngleisen Angetroffene soll seinen Suizid angekündigt haben, eine polizeiliche Verhandlungsgruppe und Spezialkräfte hätten über mehrere Stunden vergeblich versucht, ihn zur Aufgabe zu überreden. Ein Festnahmeversuch sei am Widerstand des Mannes gescheitert, auch Schlagstöcke gegen die Beine und Pfefferspray seien eingesetzt worden. Dann sei das spätere Opfer unvermittelt aus einem Gebüsch gesprungen und mit einem "großen Stück Holz" auf einen SEK-Beamten zugelaufen, dieser habe geschossen. Ein Jahr später erklärt die Staatsanwaltschaft Ingolstadt, dass sie kein weiteres Ermittlungsverfahren gegen die Beamten des SEK aus München einleiten wird. Diese hätten „keine rechtswidrigen, also strafrechtlich verfolgbaren, Taten begangen“. Laut der Mitteilung wurde der Mann von zwei Projektilen in den Bauch und in die Brust getroffen. Der laut Staatsanwaltschaft „durchtrainierte, kräftige und großgewachsene“ und deshalb für das SEK bedrohliche Mann ist nach einem Medienbericht nur 1,74 Meter groß gewesen. Die chemisch-toxikologische Untersuchung habe ergeben, dass er „massiv unter dem Einfluss von Amphetaminen“ stand.
Verletzte/getötete Beamte
Mutm. psych. Ausnahmesituation
N.N.
32 Jahre, männlich
Erschossen am 17.03.2023
In Jarmen, Mecklenburg-Vorpommern
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1][2][3]
Der Mann soll mit einem Messer einen Polizeibeamten, der mit zwei Kollegen vor Ort war, angegriffen und schwer verletzt haben. „Daraufhin kam es zur Schussabgabe aus der Dienstwaffe, um den 32-jährigen deutschen Tatverdächtigen angriffsunfähig zu machen“, schreibt die Polizei in ihrer Pressemitteilung. Der Einsatz soll gegen 17.50 Uhr erfolgt sein, nachdem Beamt*innen zu dem Haus gerufen worden seien. Laut dem NDR habe die Polizei gewusst, dass sich der Mann einer psychischen Ausnahmesituation befand.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Markus M.
34 Jahre, männlich
Erschossen am 07.03.2023
In Senftenberg, Brandenburg
Mit 11 Schüssen
Bewaffnet mit Hiebwaffe
Quellen: [1][2]
Nach Angaben der Beamt*innen habe sie Markus M. mit einem „axtähnlichen Gegenstand“ angegriffen. Daraufhin hätten sie sich „gezwungen“ gesehen, von der Dienstwaffe Gebrauch zu machen, schreibt die Polizei in ihrer Pressemitteilung. Umgehend eingeleitete Reanimationsversuche seien erfolglos geblieben, ein Notarzt habe vor Ort nur noch den Tod des 34-jährigen feststellen können. Die weiteren Ermittlungen werden durch die Staatsanwaltschaft Cottbus geführt. Die "BZ" schreibt, zwei Polizisten hätten mit Maschinenpistolen geschossen und zählt elf Einschusslöcher im Treppenhaus.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. famil. oder häusl. Gewalt
Robert B.
46 Jahre, männlich
Erschossen am 12.01.2023
In Mosbach, Baden-Württemberg
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1][2]
Mutmaßlich in einem psychischen Ausnahmezustand nähert sich der mit einem Messer bewaffnete Mann der Wohnung seiner Ex-Partnerin im Stadtteil Neckarelz, Zeug*innen rufen daraufhin die Polizei. Vor Ort sei diese von dem Mann angegriffen worden, daraufhin hätten die Beamt*innen zunächst Reizgas eingesetzt und dann geschossen. Der Mann erlag vor Ort seinen Verletzungen. Angeblich sei er bereits wegen häuslicher Gewalt aktenkundig gewesen, so die Polizei, und habe sich in psychiatrischer Behandlung befunden.
SEK-Beteiligung
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. famil. oder häusl. Gewalt
David W.
40 Jahre, männlich
Erschossen am 10.12.2022
In Dresden, Sachsen
Bewaffnet mit Schusswaffe
Quellen: [1][2]
Nachdem der Mann eine Frau und ein Kind als Geiseln genommen hat, werden diese von der Polizei befreit. Bei diesem Zugriff durch SEK-Beamte stirbt der Mann. Vorher soll er eine seine Mutter im Stadtteil Prohlis getötet haben. Zudem habe er versucht, mit einer Schusswaffe in einen Radiosender zu gelangen.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mohamed Lamine Dramé
16 Jahre, männlich
Erschossen am 08.08.2022
In Dortmund, Nordrhein-Westfalen
Mit 6 Schüssen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Ein Betreuer meldet der Polizei, dass auf einem Kirchengelände, wo sich eine Wohngruppe für unbegleitete Geflüchtete befindet, ein dort wohnender Jugendlicher mit einem Messer herumlaufe. Angeblich soll er in suizidaler Absicht Stiche in seinen Bauch angedeutet haben. Berichten zufolge greift der aus dem Senegal stammende Teenager die eintreffenden Polizist*innen mit dem Messer an, diese stellen sich aber später als falsch heraus. Daraufhin schießt ein Beamter sechs Mal aus einer Maschinenpistole. Schwer verletzt von vier Treffern in den Bauch, in den Kiefer, in den Arm und die Schulter stirbt der Teenager im Krankenhaus. Zuvor hat die Polizei auch Pfefferspray und einen Taser eingesetzt. Gegen fünf Beamt*innen wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Totschlag ermittelt. Mitgeführte Bodycams hätten die Beamt*innen aufgrund der "Stresssituation" nicht angeschaltet. Das Innenministerium NRW verbreitet später, diese seien aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genutzt worden, da Suizide nicht gefilmt werden dürften. Ein toxikologisches Gutachten ergibt keine Hinweise auf den Konsum von Alkohol oder Rauschmitteln. Ein Bericht für den Rechtsausschuss des Landtags stelt später fest, dass der erste Schuss aus der Maschinenpistole nur 0,717 Sekunden nach einem „wahrnehmbaren Tasergeräusch“ fiel. Zudem wurde Dramé auch vorher nicht gewarnt, dass Pfefferspray eingesetzt wird. Erst dadurch eskalierte die Lage.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. Alkohol- o. Drogenkonsum
Innenraum
Jouzef Berditchevski
48 Jahre, männlich
Erschossen am 03.08.2022
In Köln, Nordrhein-Westfalen
Mit 2 Schüssen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Polizist*innen in Zivil begleiten eine Gerichtsvollzieherin, um die Zwangsräumung eines 48-Jährigen im Stadtteil Ostheim durchzusetzen. Angeblich greift der Mieter, der zuvor Drohungen für den Fall seiner Räumung ausgesprochen haben soll, die Gruppe mit einem Messer an. Die Beamten setzen nach eigenen Angaben zunächst Pfefferspray ein und töten ihn schließlich mit der Schusswaffe, er stirbt nach zwei Treffern in der Wohnung. Medienberichten zufolge sei der Mann im Juni beim Amtsgericht Köln wegen Widerstand gegen Beamt*innen angeklagt worden, nachdem er seinen Suizid ankündigte und sich gegen die deshalb gerufene Polizei zur Wehr setzte. Der Tote war in Köln als Musiker bekannt. Nach einem halben Jahr wird das Todesermittlungsverfahren eingestellt.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. famil. oder häusl. Gewalt
Innenraum
N.N.
31 Jahre, männlich
Erschossen am 10.05.2022
In Mannheim, Baden-Württemberg
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1][2]
Wegen häuslicher Gewalt wird die Polizei zu einem Einsatz gerufen, im Streit mit seiner Mutter soll der Mann gedroht haben, sich selbst zu töten und sich erhebliche Schnitt- und Stichverletzungen beigebracht haben. Die Polizistinn*en hätten versucht, ihn mit Reizgas zu überwältigen. Als das nicht gelang, soll eine "gezielte Schussabgabe in das Bein des 31-Jährigen" erfolgt sein. Kurz darauf starb der Mann. In der Woche zuvor war in Mannheim bereits ein 47-Jähriger nach einer Polizeikontrolle im Krankenhaus gestorben.
SEK-Beteiligung
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Innenraum
N.N.
50 Jahre, männlich
Erschossen am 12.04.2022
In Neukirchen-Vluyn, Nordrhein-Westfalen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1]
Laut der Polizei Duisburg fährt eine Streife zu der Wohnung des eines Zeugen zufolge psychisch kranken Mannes, der dort angeblich randaliert und Gegenstände aus seiner Wohnung wirft. Die Beamt*innen werden demnach mit einem „Fleischermesser“ bedroht und rufen daraufhin ein Spezialeinsatzkommando, das der Mann angreift. Die Einsatzkräfte schießen mehrmals auf das Opfer, das lebensgefährlich verletzt im Krankenhaus stirbt.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
N.N.
47 Jahre, männlich
Erschossen am 25.02.2022
In Gunzenhausen, Bayern
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1]
In einem Haus legt ein Mann mutmaßlich selbst Feuer und randaliert, Passant*innen rufen deshalb die Polizei. Bei Löscharbeiten der Feuerwehr greift er die Beamt*innen mit einem Messer an. Daraufhin schießen zwei Polizisten auf ihn, das Opfer verstirbt wenig später im Krankenhaus.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Mutm. famil. oder häusl. Gewalt
Kamal Ibrahim
40 Jahre, männlich
Erschossen am 03.10.2021
In Stade, Niedersachsen
Mit 11 Schüssen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1][2][3]
Laut der Staatsanwaltschaft Stade seien Polizeikräfte zweimal in die Geflüchtetenunterkunft gerufen worden, weil der alkoholisierte Mann andere Personen bedroht habe. Die Situation habe sich aber jeweils beruhigen lassen, sodass auf eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt verzichtet wurde. Das spätere Opfer sei sogar von sich aus mit auf die Polizeiwache gefahren und habe dort etwa dreieinhalb Stunden in einer Ausnüchterungszelle verbracht. Kurz vor Mitternacht führt dann der dritte Einsatz zum Tod. Der aus dem Sudan Geflüchtete greift die alarmierten Po­li­zis­t*in­nen angeblich mit einem Messer an, diese schießen daraufhin. Die Staatsanwaltschaft Stade stellt ein Ermittlungsverfahren gegen vier Polizist:innen wegen des Verdachts des Totschlags mangels hinreichenden Tatverdachts im März 2022 ein.
SEK-Beteiligung
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Innenraum
Soner Atasoy
41 Jahre, männlich
Erschossen am 22.06.2021
In Frankfurt am Main, Hessen
Bewaffnet mit Schusswaffe, Stichwaffe
Die Polizei wird wegen einer „Gefährdungslage“ in einem Wohnhaus alarmiert. Als die Beamt*innen eintreffen, stoßen sie dort angeblich auf einen mit einer Schusswaffe und einem Messer bewaffneten Mann, der sie angreift. Diese Darstellung wird jedoch von der Anwältin der Angehörigen bestritten, der Mann hat demnach ein Taschenmesser lediglich in seiner Weste stecken und mit den Beamt*innen sogar gescherzt. Dennoch werden mehrere Schüsse auf ihn abgegeben, der Mann zieht sich nach einem Gerangel, in dem er einem Polizist die Waffe entreißen kann, in seine Wohnung zurück. Ein SEK wird hinzugezogen; dieses findet ihn leblos auf. Die Obduktion ergibt, dass der Mann an einem polizeilichen Schuss in die Seite verblutet ist.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Innenraum
N.N.
35 Jahre, männlich
Erschossen am 13.06.2021
In Wuppertal, Nordrhein-Westfalen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1][2]
Die Polizei wird gerufen, weil in einem Mehrfamilienhaus ein Mann seine Nachbar*innen bedroht. Als Polizist*innen in seine Wohnung eindringen, werden sie nach Darstellung der Staatsanwaltschaft mit einem Messer beworfen und dann mit einem Knüppel und einem „anderen Gegenstand“ angegriffen. Ein Beamter gibt daraufhin Schüsse aus einer Maschinenpistole auf den Mann ab, drei davon treffen ihn tödlich. Die Bodycam eines Beamten zeichnet die Tat auf.
SEK-Beteiligung
Mutm. psych. Ausnahmesituation
Innenraum
N.N.
40 Jahre, männlich
Erschossen am 16.10.2020
In Münster, Nordrhein-Westfalen
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1]
In der JVA Münster bringt ein Häftling eine Justiz-Auszubildende mit einer angespitzten Zahnbürste in seine Gewalt und fordert einen Flucht-Hubschrauber. Nachdem Verhandlungen mit dem „psychisch unberechenbaren“ Täter scheitern, wird nach drei Stunden ein SEK eingesetzt; im Verlauf des Einsatzes wird der Mann „gezielt“ erschossen. Die Geisel bleibt „nahezu unverletzt“.
Mutm. psych. Ausnahmesituation
N.N.
29 Jahre, männlich
Erschossen am 15.07.2020
In Bad Schussenried, Baden-Württemberg
Bewaffnet mit Stichwaffe
Quellen: [1]
Ein Mann und eine Frau flüchten aus dem offenen Maßregelvollzug einer psychiatrischen Klinik, beide sind mit einem Messer bewaffnet. Als sie von den alarmierten Polizist*innen gestellt werden, greifen sie die Beamt*innen damit an. Diese schießen; der Mann wird im Hüftbereich getroffen und verstirbt im Krankenhaus. Die Frau wird in den Oberschenkel geschossen.
Die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP liefert seit 1978 kritische Analysen zur Politik und Praxis Innerer Sicherheit in Deutschland und Europa.
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